Parteiunabhängige wollen Regierung zum Umdenken anregen

Zeitung:  Appenzellerland

Datum: 14.03.2019

Die Ausserrhoder PU-Fraktion hat eine Interpellation zur Energiegewinnung aus Windkraft eingereicht. Dies als Antwort auf die ablehnende Haltung der Regierung zu solchen Projekten.

Nun werden auch die Parteiunabhängigen Ausserrhodens in Sachen Energiepolitik tätig. Im Namen der PU-Fraktion hat der Rehetobler Kantonsrat Andreas Zuberbühler eine Interpellation betreffend Stromgewinnung aus Windenergie eingereicht. Grundlage für diesen Vorstoss bildet ein Interview von Anfang Februar mit Regierungsrat Dölf Biasotto. In dieser Zeitung sprach dieser sich ablehnend gegen eine geplante Windkraftanlage auf Innerrhoder Gemeindegebiet im Konkreten und gegen ähnliche Anlagen in der Region im Generellen aus. Im Interview hat der Vorsteher des Departementes Bau und Volkswirtschaft deutlich gemacht, dass Windparks für die Ausserrhoder Regierung derzeit nicht angemessen seien. Unter anderem sagte Dölf Biasotto wörtlich: «Nach Abwägen sämtlicher Vor- und Nachteile sind wir in dem Moment nicht bereit, das heutige Landschaftsbild dafür (Windturbinen) zu opfern.» Ausserdem bestehe auf dem Strommarkt dermassen günstiger Strom, dass es wirtschaftlich keinen Sinn mache, Windkraftanlagen zu erstellen. «Das Risiko einer Stromverknappung sehe ich in den nächsten zehn Jahren nicht», so Dölf Biasotto. Und genau diese Worte lassen nun die Parteiunabhängigen aktiv werden. Sie wollen Antworten darauf, wieso sich die Ausserrhoder Regierung deutlich ablehnend zu Windenergieanlagen äussert. «Dölf Biasotto hat mit seiner Antwort suggeriert, dass sich Windkraft als Stromlieferant in den kommenden zehn Jahren nicht lohne, da viel günstiger Strom auf dem Markt vorhanden sei», so Andreas Zuberbühler. Die Interpellanten erhoffen sich nicht zuletzt ein Umdenken des Regierungsrates.


Windenergie als Ergänzung zur Sonnenenergie

Die Parteiunabhängigen möchten nun wissen, ob der Bau einer solchen Windparkanlage im kommenden Jahrzehnt in Ausserrhoden überhaupt nicht in Frage kommt und komplett ausgeschlossen ist, oder ob die Situation laufend überprüft wird. «Zudem möchten wir die Gründe für eine solche negative Entscheidung erfahren.»

Die Parteiunabhängigen fordern mit der Interpellation die Regierung zudem auf, darzulegen, worauf Dölf Biasottos Aussage bezüglich Versorgungssicherheit mit Billigstrom basiert. Diesbezüglich gibt Andreas Zuberbühler zu bedenken, dass dieser Billigstrom häufig aus dem Ausland stamme. «Auswärtiger Strom wird oft in Atomkraftwerken oder Kohlekraftwerken produziert.» Diese Tatsache sei kaum vereinbar mit den von Bund und Kantonen vorgegebenen CO2-Zielen, so Zuberbühler. «Dies zeigt, dass wir heute gerne unsere Probleme auslagern und dort liegen lassen.» Sauer stösst der PU-Fraktion zudem auf, dass Biasottos Aussagen suggerierten, dass der Faktor «Art und Erzeugung des Stroms» allem Anschein nach weniger gewichtet werde, als der Faktor «günstiger als mit Windkraft produziert».

Das Argument, dass das Potenzial der Sonne viermal grösser sei als jenes des Windes, beschwichtigt die PU AR nicht: «Gerade im Winterhalbjahr kann Windenergie eine gute Ergänzung sein.»

Windkraftanlagen sind und bleiben ein kontroverses Thema, auch in Ausserrhoden. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)